Gegen das Vergessen
Das Bildungszentrum Bopfingen positioniert sich mit einer Gedenkveranstaltung gegen Antisemitismus und für Menschlichkeit
81 Jahre ist es her, dass die sowjetische Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 befreite. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Zeitzeugen, die ihre Stimme gegen diesen Zivilisationsbruch erheben können. Umso mehr sind wir alle gefordert, die Erinnerung an diese Schreckenstaten nicht verblassen zu lassen. Das Bildungszentrum Bopfingen verpflichtet sich schon seit vielen Jahren der historischen Erinnerung und positioniert sich mit verschiedenen (außer-)schulischen Aktionen gegen Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit und tritt für respektvolles und vorurteilsfreies Miteinander von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen ein – so auch am am 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag: Es fand wieder eine Gedenkfeier in der Aula statt, die Schüler*innen von Werkrealschule (WRS), Realschule (RS) und des Ostalb-Gymnasiums (OAG) traditionell gemeinsam gestalteten, musikalisch umrahmt von der Lehrkräfteband der Realschule. Ein Video-Impuls (WRS), die Vorstellung von Biographien deportierter jüdischer Familien aus Oberdorf – um den Opfern ein Gesicht zu geben (RS) –, eine Rezitation eines Tucholsky-Gedichts (OAG) und die Verlesung der Namen der 88 ermordeten Oberdorfer Juden (OAG), symbolisch dargeboten durch 88 brennende Kerzen, brachten wort- und bildreich zum Ausdruck, dass sich die Bopfinger Schüler*innen mit der deutschen Vergangenheit verantwortungsvoll auseinandergesetzt haben, um die Gegenwart und Zukunft demokratisch zu gestalten. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch“ – mit diesem Motto haben die Schulen und ihre Schüler*innen das Ansinnen ausgedrückt, der Entmenschlichung der Opfer des Nationalsozialismus‘ ihre Identität ,zurückzugeben‘.
Durch den Redebeitrag von Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, die Teilnahme zahlreicher Gemeinderatsmitglieder und die – jährliche – Anwesenheit des Ehrengasts Freiherr Michael von Thannhausen, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Vorsitzender des Trägervereins der ehemaligen Synagoge Bopfingen Oberdorf, wurde deutlich, dass auch der Kommunalpolitik die Erinnerungskultur ein wichtiges Anliegen ist.
Udo Lindenbergs Song „Wir ziehen in den Frieden“, wirkungsvoll von Schüler*innen der Realschule gesungen, hat die Veranstaltung beendet.
Neben der bereits unterrichtsbezogenen Auseinandersetzung vor allem in den Fächern Geschichte, Religion und Ethik fanden in den vergangenen Wochen verschiedene Lerngänge statt, die die Schüler*innen der Jahrgangsstufen 9 und 10 zu einer lebendigen Erinnerungskultur an den Genozid an den europäischen Juden bewegten (Frau Anne Walther vom Trägerverein der ehemaligen Synagoge Oberdorf referierte über das Leben der jüdischen Religionsgemeinschaft in Bopfingen-Oberdorf und die Realschulklassen besuchten zudem die KZ-Gedenkstätte Dachau).
Gemeinsam haben sich am 27. Januar damit die Schüler*innen, Lehrkräfte, Eltern und Gäste der Gedenkfeier an die Männer, Frauen und Kinder, die im Namen des deutschen Staates ermordet worden sind, erinnert und ihrer gedacht, sie bei ihrem Namen genannt und damit deutlich gemacht, dass es Menschen waren, die einer menschenverachtenden Ideologie zum Opfer gefallen sind… keine Nummern, keine Zahlen.