Zeitzeuge am Ostalb-Gymnasium Bopfingen

Erwin Hafner erinnert an die Zeit des Nationalsozialismus

Persönlich, lebendig und eindrucksvoll – so das Resümee von Schüler*innen des Ostalb-Gymnasium Bopfingen über ihre Begegnung mit einem Zeitzeugen der Geschichte: Erwin Hafner, langjähriger ehemaliger Chefredakteur der Schwäbischen Post, “das Gedächtnis Aalens”, Gründer des Trägervereins der ehemaligen Synagoge Oberdorf, und Träger des Bundesverdienstkreuzes. In der Aula war es still, als Hafner, Jahrgang 1932, den Oberstufenschülern beider Jahrgangsstufen und den beiden 9.-Klassen in einem beinahe 90-minütigen Vortrag seine regionalen Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus gewährte. Hafner selbst hatte den Zweiten Weltkrieg in Aalen miterlebt und sich zeitlebens als Journalist kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.                  

Gebannt folgten die Schüler*innen den Ausführungen des 94-Jährigen über die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte in ihrer unmittelbaren Heimat: So berichtete Hafner über die verheerende Reichspogromnacht in Bopfingen-Oberdorf und Aalen mit ihren katastrophalen Folgen für die jüdische Gemeinde. Ebenso eindringlich erzählte er von dem Konzentrationsaußenlager in Wasseralfingen, in das etwa 400 polnische Juden verschleppt wurden, oder von einem Ereignis in Lippach bei Kriegsende, wo die US-Armee ,Jungsoldaten’ erschlug, was den Zuhörenden noch einmal mehr die Absurdität von Krieg verdeutlichte. Nicht zuletzt thematisierte der Zeitzeuge das Versagen der deutschen Justiz nach Kriegsende bei der Aufarbeitung der NS-Kriegsverbrechen. Hafner teilte auch unmittelbar persönliche Erfahrungen aus seiner Kindheit mit – wie etwa sein Erleben der Hitlerjugend, deren Indoktrination mit antisemitischen Inhalten schlimm gewesen sei. Ganz subtil über Lieder, antisemitische Hetze, Kameradschaft sei ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, dem er sich dank seiner kritischen Eltern aber habe entziehen können. Auch berichtete Hafner sehr anschaulich, wie er Bombenangriffe der Alliierten in Aalen erlebte. Bei genauem Hinhören erfuhren die Jugendlichen schließlich den Grund für Hafners unerbittlichen Antrieb, über die Vergangenheit aufzuklären, und zudem zeitlebens aktiv und geschäftig gewesen zu sein: eine lebensbedrohliche Tuberkuloseerkrankung als Kind, die ihn zu monatelangem Liegen und damit zur Untätigkeit verdammte. Aus dieser Erfahrung heraus sei Arbeit für ihn immer ein Geschenk gewesen.

Sein Vortrag endete in einem eindringlichen Appell an die Verantwortung der Jugendlichen, sich für die Demokratie stark zu machen und nicht den Ansichten rechter Parteien zu erliegen: „Ihr seid die junge Generation. Ihr tragt keine Schuld. 81 Jahre ohne Krieg und in Frieden. An euch ist es, kritisch zu sein und die Errungenschaften der Demokratie zu bewahren“.

Nach dem Vortrag nahm sich Hafner noch geduldig Zeit für Fragen von interessierten Jugendlichen.

Ein Vormittag, der sowohl die Schüler*innen als auch die Lehrkräfte nachdenklich stimmte. Die Anwesenden danken Erwin Hafner ganz herzlich für sein Kommen.

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